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Portrait des Trierischen Volksfreunds
(17. August 2001)
LEUTE IN STADT UND LAND Andreas May: Der Anfang ist hart
TRIER. (DiL) Angefangen hat es, wie bei so vielen, in der
Musiktheater-AG des
Max-Planck-Gymnasiums. Bei einer Schüleraufführung der West-Side-Story
schnupperte Andreas May Theaterluft. Fortan stand sein Berufswunsch nicht mehr in
Frage: Regisseur wollte er werden.
In Hannover studierte er Schulmusik und Germanistik, in Oldenburg lernte er das
Handwerk des Regieassistenten. Dann wechselte er für drei Jahre an das
renommierte Nationaltheater nach Mannheim.
Jetzt, mit 31, will der Trierer den riskanten Sprung wagen und sich als freier
Regisseur durch die Theaterwelt schlagen. "Der Anfang ist hart"
weiß er, und hart ist auch der Finanzierungsplan für die ersten Jahre:
Nachwuchs-Regisseure pflegen zu Karrierebeginn von einer "Mischung aus Gagen,
Erspartem, und Arbeitslosengeld" zu leben.
Nach drei Jahren "muss man durch sein, sonst heißt es Abschiednehmen
vom Theater", schätzt May die Möglichkeiten realistisch ein. Viele
junge Kollegen "haben oft ein ganzes Jahr lang keinen Auftrag". Aber
Andreas May hatte die Chance, sich neben seiner Spielleiter-Tätigkeit mit
eigenen Produktionen zu profilieren. So sammelte er Kontakte und braucht jetzt
nicht vom Nullpunkt aus zu starten. In Münster wird er ein Singspiel
inszenieren, in Oldenburg bringt er eine Oper von Britten auf die Bühne - ein
vielversprechender Anfang.
Aber zum Leben reicht das noch nicht, "und für eine Familie zweimal
nicht". Hätte er Kinder, "dann wäre das Risiko nicht zu
verantworten". Der Markt für Regisseure sei klein, die meisten Jobs
gingen über "Seilschaften". May sagt das ohne Larmoyanz.
Schließlich nutzt er selbst seine Verbindungen bei der Suche nach neuen
Aufträgen. Als der Cottbusser Operndirektor Martin Schüler in Mannheim
den "Ring" inszenierte, lernte er die Arbeit von May kennen. Jetzt winkt
eine Regie-Arbeit im tiefsten Osten der Republik.
Aber erst ist Trier dran. Schließlich wird seine im vergangenen Jahr hoch
gelobte "Orpheus"-Inszenierung im Hof des kurfürstlichen Palais
wiederaufgeführt.
Und der Konzertchor, will er seine Bravourleistung vom Vorjahr wiederholen, braucht
eine szenische Auffrischung. Dann wird Andreas auch wieder mit seinem Vater, dem
Dirigenten Manfred May zusammenarbeiten. Verwechslungsgefahr ausgeschlossen:
Während May d. Ä. noch als Ruheständler dichten Haarschopf
trägt, verfügt der Junior über einen markanten Kahlkopf.
Optische Absatzbewegung vom dominanten Senior?
Nein, kein Fall für Hobby-Psychologen, eine Kinderkrankheit sorgte für
den Mangel an Haarpracht. Während der Studienzeit habe er "sich selten
ohne Kopfbedeckung rausgetraut", schmunzelt Andreas May rückblickend.
Nicht wegen der Eitelkeit, sondern, um nicht für einen Skinhead gehalten zu
werden. Inzwischen, den Modetrends sei Dank, gilt oben ohne nicht mehr als
verpönt.
Wenn am nächsten Wochenende "Orpheus" über die Bühne geht,
dann kann man auch über den Stil des Regisseurs einiges erfahren.
"Aktuell, aber ohne das Stück zu verraten" - so will May
inszenieren. Dafür ist die Trierer Produktion eine Art
Visitenkarte.
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