|
home
Lebenslauf
Inszenierungen
Aufführungstermine
Pläne
Kontakt
Newsletter
Links
weitere Infos:
Konzeption
|
home Inszenierungen Orfeo ed Euridice Pressestimmen
Trierischer Volksfreund,
21. August 2000
Gesang macht Tote
nicht lebendig
Trierer Konzertchor und Moselfestwochen inszenieren Glucks "Orpheus und
Eurydike"
Von unserem Redakteur Dieter Lintz
TRIER. Unkonventionelle Deutung, hervorragende
Sängerleistungen: "Orpheus und Eurydike" des Trierer Konzertchors
wurde vom Publikum gefeiert.
Der erste Beifall des Abends galt Petrus: Das Publikum der Open-Air-Oper
"Orpheus und Eurydike" bedankte sich beim Wettergott für die
Chance, zwischen Stürmen und Gewittern eine trockene Aufführung im
Innenhof des Kurfürstlichen Palais in Trier zu erleben.
Die Hochzeitsgesellschaft ist bester Laune. Mit stilisierten
Brautsträußchen bewaffnet, flanieren die Besucher zu munteren
Klängen über die Bühne. Bis die Musik plötzlich ihren
Charakter ändert, spannungsgeladen wird, und die Gäste erstarren. Sie
haben das Schreckliche entdeckt: Es wird keine Hochzeitsfeier geben, die Braut,
Eurydike, ist tot, der Bräutigam, Orpheus, ruft verzweifelt ihren Namen.
Selten hat man die Ouvertüre von Glucks "Orpheus und Eurydike" so
plausibel szenisch umgesetzt gesehen. Nicht nur an dieser Stelle beweist der junge
Regisseur Andreas May bei seinem Opern-Debüt ein bemerkenswertes Maß an
Reife und Geschick. Dabei könnte die Aufgabe kaum schwerer sein. Glucks Oper
beinhaltet wenig Aktion, aber viele sinfonische und balletthafte Zwischenspiele,
die optisch aufbereitet werden müssen. In Trier stehen dafür weder
Ballett noch Statisterie zur Verfügung, der Chor - ausnahmslos szenische
Laien - muss das Pensum alleine bewältigen. Und das gelingt ohne Längen,
ohne Aktion um der Aktion willen, mit Bewegungen, die exakt der Musik abgelauscht
sind.
Orpheus ist in der Trierer Aufführung ein kindlicher Trotzkopf, ein
“reiner Tor” im blütenweißen Gewand. Der Gott Amor, der ihm
die Wiederbegegnung mit Eurydike verschafft, erscheint als seine Projektion, eine
märchenhaft-skurrileFigur, die ihm ermöglicht, was jeder wünscht,
dem ein geliebter Mensch gestorben ist: dass man die Katastrophe
rückgängig machen könnte.
Aber das Happy End, das Gluck, der Konvention gehorchend, seiner Oper anklebte,
bleibt bei May die finale Fieberfantasie eines Sterbenden. Orpheus hat sich,
nachdem Eurydike zum zweiten Mal gestorben ist, vergiftet, und der letztliche
"Triumph der Liebe" ist nur ein Wunschtraum. Auch der bezauberndste
Gesang, die größte Kunst machen Tote eben nicht lebendig. Eigentlich
schade, denn an diesem Abend wird eine Gesangskunst geboten, die durchaus Chancen
hätte, Tote zu erwecken. Der Altus Martin Wölfel zeichnet stimmlich wie
darstellerisch eine feine Charakterstudie des Orpheus. Seine Parade-Arie "Che
faro senza Eurydice" ist ein Höhepunkt des Abends, gerade weil er auf
die große Geste verzichtet. Keine zur Schau gestellte Verzweiflung, eher
eine Studie der Verstörtheit. Wölfel beherrscht seine wunderschön
timbrierte Stimme in den Höhenlagen, aber auch bei den Koloraturen in einer
Weise, die ihn bald in die erste Reihe der kleinen Gruppe profilierter Altisten
und Counter-Tenöre katapultieren dürfte. Vorausgesetzt, er legt im etwas
matt klingenden tiefen Register noch zu.
Diana Damrau als Eurydike wird mit jedem Ton ihrem Ruf als talentierteste junge
Koloratursopranistin in Deutschland gerecht. Sie verfügt weit über
präzisen Koloraturgesang hinaus über dramatische Verve, Volumen und
stimmliche Präsenz. Ihre Verzweiflungsarie weckt Hoffnung auf eine
roße Entwicklung, auch im dramatischen Fach. Andrea Reuters Amor
erfährt gegenüber anderen Orpheus-Interpretationen eine deutliche
Aufwertung. Darstellerisch profiliert und stimmlich beherrscht zeichnet sie den
Liebesgott als tänzelnd-verspielte Figur. Die eigentlichen Helden des Abends
aber sind die Sänger des Trierer Konzertchors.
Szenisch unerfahren, wagen sie einen Schritt auf unbekanntes Terrain, und der Mut,
sich weiter zu entwickeln, statt nur Bewährtes zu perfektionieren, zahlt sich
für Sänger und Publikum gleichermaßen aus.
Da mag manche Bewegung noch nicht geschliffen wirken, aber als Ensemble gelingt
es, in der Ausstattung von Stephan F. Rinke und der stimmungsvollen Lichtregie von
Reimar Toepell die tragische Atmosphäre der Oper effektvoll auszugestalten.
Schon beim, Auftakt-Chor gelingt es, den Innenhof des Palais mit tiefer
Melancholie zu tränken. Flexibel, feinsinnig, dabei exakt bei den
Einsätzen, führt der Konzertchor das faszinierte Publikum durch die
Höllen und Tiefen, die Orpheus durchleidet. Chorleiter und Dirigent Manfred
May wählt bedächtige Tempi, was unnötige Risiken
vermeidet, aber manche dramatisch gedachte Phrase ins Feierliche kehrt. Darunter
leidet bisweilen die Prägnanz des Orchesters. Die Sinfonietta
Saarbrücken arbeitet die Klagetöne gut heraus, wo es aber auf kraftvolle
Akzente ankäme - wie etwa beim Auftritt der Furien - fehlt die Dynamik. Dazu
komme einige Unsauberkeiten im Blech.
Insgesamt trotz kleiner Einschränkungen eine bemerkenswerte, vom Publikum
begeistert aufgenommene Produktion, die den Vergleich mit keiner anderen Trierer
Opernaufführung zu scheuen braucht.
Zu den Rezensionen: Trierischer Volksfreund, 21.10.00 | Rheinzeitung | Luxemburger Wort
Zur Rezension der Wiederaufnahme:
Trierischer Volksfreund, 27.10.2001
Rheinzeitung,
Koblenz, 23. August 2000
Antikenfestspiele zweiter Teil
Nun haben auch die Moselfestwochen die Gattung Oper in ihrem Programm.
Mit einer
Open-Air-Premiere von Glucks "Orpheus und Eurydike" im Innenhof des
Kurfürstlichen Palais in Trier wurde dabei zusätzlich ein charakteristischer
Akzent gesetzt, eine Fortsetzung der Antikenfestspiele in anderer Ausgestaltung. Auch
hier hatte man im Hintergrund Antikengemäuer, eine Außenwand der
Konstantinbasilika. Doch davor, auf abgeschrägter Bühne, präsentierte
der
Trierer Konzertchor in der Inszenierung Andreas Mays vom Mannheimer Nationaltheater
eine
Mischung aus Oratorium und szenischer Geste, die das Schicksal der berühmten
Liebenden in der Gewalt des Gottes Amor artikulierte. Manfred May leitete die
Präsentation musikalisch mit der Sinfonietta Saarbrücken und löste beim
Publikum in einer zwischen Elegie und Lyrik schwebenden Aufführung minutenlange
Ovationen aus. (SvQ)
Zu den Rezensionen: Trierischer Volksfreund, 21.10.00 | Rheinzeitung | Luxemburger Wort
Zur Rezension der Wiederaufnahme:
Trierischer Volksfreund, 27.10.2001
Luxemburger Wort, 24. August 2000
Der antike Sänger
zerreißt sein Liederbuch
Glucks "Orpheus und Eurydike" bei den Moselfestwochen in Trier
Nun also, wenn man so will, der zweite Teil der Trierer
Antikenfestspiele. Ein antiker
Stoff, ein Open-Air-Ereignis, eine antike Hintergrundkulisse im Innenhof des
Kurfürstlichen Palais nämlich die Außenwand der Konstantinbasillika,
schließlich auswärtige Sängersolisten und ein Gastorchester, die
Sinfonietta Saarbrücken. Und dann folgte natürlich das für Trierer
Antikenaufführungen charakteristische Wettergeschehen, die Premiere im Freien, die
Folgeaufführung konfrontiert mit einem Wetterschlag, doch für diesen Fall
hatte man direkt die Umsiedlung in die Basilika St. Maximin vorgesehen, allerdings hier
dann mit einer konzertanten Darbietung Christoph Willibad Glucks erster Reformoper
"Orpheus und Eurydike".
In freier Luft erschien das Werk in einer Inszenierung von Andreas May vom
Nationaltheater Mannheim auf abgeschrägter Bühne mit dem Trierer Konzertchor
nicht nur in chorischer Begleitfunktion, sondern ebenso in szenischen
Bewegungsabläufen als Furien, selige Geister, Schäfer und Nymphen oder sogar
als figurale Naturobjekte wie Bäume und Felsen. Man sang italienisch, denn man
spielte die italienische Fassung der Wiener Uraufführung und dem Text von
Calzabigi, demzufolge die "azione teatrale in tre atti" "Orfeo ed
Euridice". Dominierender Charakter der Inszenierung war eine gewisse Abstraktheit,
die sich durch die pausenlose Aufführung zog.
Die Figurenauftritte erfolgten aus einem viereckigen Schacht auf der Bühne, der
dann auch als Grabstätte für die verstorbene Euridice diente. Orfeo, der
antike Sänger, trat nicht mit Laute, sondern mit einem Liederbuch auf. Auf dem
Höhepunkt der Katastrophen, da er die wiedergekehrte Geliebte verloren glaubt,
zerreißt der Sänger die Seiten in seine Buch, sein Gesang und damit sein
Leben erlöschen. Orfeo ist mit der Altus-Stimme von Martin Wölfel
ausgestattet, was der Interpretation des Werkes in Gemeinsamkeit mit den beiden
übrigen Sopranpartien eine durchgehend hohe Intonation verleiht. Die hohe
gesangliche Qualität der drei Solisten ist das herausragende Element dieser
Aufführung, die sich die Moselfestwochen insgesamt auf die Habenseite ihrer
Aktivitäten verbuchen können.
Ob sich der ausnahmslos schwarz gewandete Chor in versöhnlicher oder
kontrastierender Weise zu Orfeo verhält, wird durch Blumenbouquets oder drohend
nach oben gestoßene Stabmasken vor den Gesichtern artikuliert. Orfeo ist der
Leidende, der mit seiner elegischen Tonqualität den Aufführungscharakter
prägt. Eher schelmisch blickt Amor drein, der während der drei Akte eine
fortgesetzte Beobachterrolle des Handlungsgeschehen einnimmt. Andrea Reuter
überzeugte hier mit herausragender Stimme, die sich in Gemeinsamkeit mit den Oboen
des Orchester an einigen Passagen bis zur Unwirklichkeit einer Klangschönheit
steigerte. Diana Damrau gestaltete die Partie der Euridice in Rezitativen und Arien in
gleicher inniger und warmer Ausdruckskraft.
Amor legt am Ende seine silbernen Flügel ab. Die beiden im Todesdrama
geprüften Liebenden treten als statische Figuren in den Bühnenvordergrund.
Das
mythische Spiel ist aus, die Oper findet ihren versöhnlichen Ausklang, über
dessen Chancen die Götter entschieden haben. Die Musik hält unter der Leitung
des Trierer Konzertchorchefs Manfred May ihren durchgehend lyrischen Charakter, an
dessen elegischer Tonformung die Sinfonietta Saarbrücken mit entscheidendem Anteil
beteiligt ist.
Das Publikum honorierte den außergewöhnlichen Abend mit minutenlangen
Ovationen und Bravorufen.
W. Strauch v. Quitzow
Zu den Rezensionen: Trierischer Volksfreund, 21.10.00 | Rheinzeitung | Luxemburger Wort
Zur Rezension der Wiederaufnahme:
Trierischer Volksfreund, 27.10.2001
Trierischer Volksfreund, 27. August 2001
(Wiederaufnahme)
Zwei Abende voller Attraktionen
Der Trierer Konzertchor zelebriert "Orpheus und Eurydike" – Tolle
Stimmen, eindrucksvolle Bilder, faszinierende Farben
TRIER. (DiL) Im zweiten Anlauf hatte Orpheus Glück: Nach heftigen
Wetter-Unbilden im Vorjahr verzauberte der Trierer Konzertchor das Publikum diesmal an
zwei wunderbaren Sommer-Abenden.
Es waren nicht alle Reihen besetzt im Innenhof des kurfürstlichen Palais, aber wer
nicht gekommen war, darf sich ärgern: Was bei der Zweitauflage von Glucks Oper
"Orpheus und Eurydike" geboten wurde, übertraf noch das ohnehin hohe Niveau
des Erst-Auflage.
Plastisch, verständlich und nachvollziehbar wurde die Geschichte des Sängers
Orpheus dargeboten, der am Tag der Hochzeit seine geliebte Eurydike verliert. Er
entreißt sie mit der Überzeugungskraft seiner Stimme dem Reich der Toten und
verliert sie dann endgültig, weil er es nicht fertig bringt, sie auf dem Rückweg
zur
"Oberwelt" keines Blickes zu würdigen – wie es die Götter
gefordert hatten.
Der Trierer Konzertchor, eigentlich kein professionelles, spielgewohntes Ensemble, hat
sich die Inszenierung von Andreas May mit riesiger Akribie angeeignet.
Man bewegt sich noch sicherer, gelassener als im Vorjahr auf den vielen Wegen, die die
Bühnenhandlung vom Chor verlangt. Nicht Routine hat Einzug gehalten, aber
Souveränität, und das erlaubt, mehr zu spielen, noch detailfreudiger die
Ideen
des Regisseurs umzusetzen.
Die Solisten-Besetzung kann mit jeder großen Bühne konkurrieren. Neu im Ensemble
ist Nicola Beller Carbone als Eurydike. Ihre Rolle ist nicht groß, aber bei mancher
Sängerin reichen schon wenige Töne und Bewegungen, um das Publikum in den Bann zu
ziehen. Schnell wird deutlich, warum ihre Mannheimer "Traviata" bundesweit
Aufsehen erregte: Hier wächst unübersehbar eine große, enorm begabte Tragödin
heran.
Martin Wölfels makellose Alt-Stimme hat in den tiefen Lagen an Fundament gewonnen.
Sein Orpheus könnte manchmal etwas mehr Volumen haben, an gestalterischer Kraft
ist
er kaum zu überbieten. Gestik und Mimik setzt er mutiger ein als im Vorjahr.
Andrea
Reuter (Amor) sprüht vor Spielfreude, lässt auch stimmlich nichts zu
Wünschen übrig.
Die Sinfonietta Saarbrücken unter der Leitung von Manfred May spielt
prägnanter als noch vor Jahresfrist, kostet die Dynamik stärker aus,
beflügelt die Dialoge zwischen Sängern und Orchester.
Als ob der Abend nicht schon Attraktionen genug hätte, kommt auch noch Reimar
Toepells betörende Beleuchtung hinzu. Er taucht die Basilika, die als
mächtige
Bühnen-Rückwand fungiert, ins faszinierende Farben. Ein Grund mehr, sich eine
Fortsetzung der Open Air Opera zu wünschen.
|